| | 2008 „Gemeinsam Kindeswohl schützen“ VorträgeProf. Manfred Cierpka FV 01: „Keiner fällt durchs Netz - Wie hochbelastete Familien unterstützt werden können“ Vortrag (PDF Format) Ein drängendes Problem besteht in unserer Republik darin, jene Eltern bzw. Mütter nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen, die nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Diese Familien sind oft vielfach belastet. Gleichzeitig tun sie sich schwer Hilfe anzunehmen. In einem dreischrittigen Vorgehen des Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ wird ein Zugang zu den Familien sehr früh gefunden. Von den Teams auf den Geburtsstationen werden denjenigen Eltern Hebammen vermittelt, die sich nicht bereits aus eigener Initiative um Unterstützung durch eine Hebamme bemüht haben (Schritt 1). Ausgebildete Familienhebammen fördern dann die basalen elterlichen Kompetenzen (Schritt 2) – entweder in Elternkursen („Das Baby verstehen“) oder durch Hausbesuche mit einem erweiterten Konzept. Durch die Sensibilisierung in den Elternkursen können die hilfesuchenden Eltern gebunden werden und in einem weiteren Schritt (Schritt 3) an die bestehenden vom Gesetzgeber vorgehaltenen Hilfeeinrichtungen vermittelt werden. Das Projekt wird zur Zeit in Hessen und im gesamten Saarland als Modell durchgeführt.  Jochen Schweitzer , mit Andrea Goll-Kopka, Günter Uch und Ansgar Röhrbein FV 02: „Und bist Du nicht willig, so brauch ich...“. Über Kooperation und Kontrolle in Familien und Organisationen Der Vortrag beginnt mit etwas praktisch nützlicher Systemtheorie für Kinderschutzpraktiker: - über das Navigieren in Organisationen, Kooperationen und Netzwerken, über die Bedingungen lohnender Zusammenarbeit und über „Systemische Haltungen zwischen Konstruktivismus und Inquisition“. Für Kontrollkontexte wird die Grundidee „Wie kann ich Ihnen helfen, mich loszuwerden?“ (Conen/Cecchin) als metaphorische Beraterleitlinie in Klient-Berater-Kontrolleur-Triaden vorgestellt. Prinzipien des respektvollen Konfrontierens werden als gangbarer Weg zwischen normativer Haltung und Elternblaming beschrieben.
Bei der Organisation des Kinderschutzes wird es darum gehen, wie man den oft postulierten Idealen („individualisierte, aufsuchende, sozialraumorientierte, zeitlich flexible und längerfristige Hilfestellungen, klare Verfahrensabsprachen, eindeutige Verantwortlichkeiten, Verlaufskontrolle“) im realen Arbeitsalltag eines hoch geforderten Jugendamts-ASD dennoch nahe kommen kann. Wie können gut funktionierende Kinderschutz-Teams aufgebaut werden?
Die persönliche Performance der KinderschützerInnen nimmt den dritten Teil des Vortrages ein: wie kann man in Kinderschutzfragen gut auftreten und sich gut dabei fühlen? Die eigene Emotionalität, die eigene Geschlechtszugehörigkeit und die Frage, ob sich hierzu von der Polizei wesentliches lernen lässt, werden uns hier beschäftigen. Ansgar Röhrbein FV 03: „Vom Opfer zum Täter? – Väter zwischen Macht und Ohnmacht“
„Vater tötet seine Kinder – Familiendrama fordert drei Todesopfer“, „Kindsmord – Vater hinterließ Abschiedsbrief“, zwei Zeitungsmeldungen aus den letzten Monaten. Tragische Familienschicksale bei denen sich auch bei langjährigen Profis schnell ein Gefühl von Machtlosigkeit breit macht und es ihnen die Sprache verschlägt. Was bringt einen Vater dazu, so einen (ohnmächtigen?) Weg zu beschreiten? Was gab es im Vorfeld der Tat an Hilfestellung und wie hat sie der Vater (womöglich) erlebt? In der einen oder anderen Zeitungsnotiz wird davon berichtet, dass sich der Vater allein gelassen oder sogar als Opfer gefühlt habe. Doch warum dann dieser Schritt? Was motiviert diese Väter zu Tätern zu werden und oftmals ihre gesamte Familie auszulöschen? Ist das letztlich doch „typisch männlich“, wenn ich „es“ nicht mehr „haben“ kann, dann soll auch kein(e) andere(r) mehr davon profitieren?
In diesem Vortrag soll es zunächst darum gehen, einige Thesen und Fragen zu formulieren, die in diesem Zusammenhang vielleicht weiterhelfen können, ohne abschließende Antworten zu sein. Darüber hinaus werden einige kontextspezifische Fragen aufgegriffen: In wie weit haben Männer als Väter eine besondere Begleitung innerhalb der Jugendhilfe verdient, bzw. benötigen sie diese? Wie väterfreundlich sind unsere Institutionen im Allgemeinen und was erleichtert Vätern den Zugang dorthin? Gibt es überhaupt eine Chance „diese“ oben beschriebenen Väter in der Beratung zu erreichen? Prof. Gerhard J. Suess SV 01: „Frühe Hilfen für hoch belastete Eltern - Lehren aus der Bindungs- und Resilienzforschung“
Langzeitstudien an Hoch-Risiko-Gruppen aus der Bindungs- undResilienzforschung haben vielfache Erkenntnisse über das Gelingen bzw. dasMisslingen von Elternschaft und die daraus entstehenden Stärken und Risikenfür die Kindesentwicklung geliefert. Seit geraumer Zeit werden dieseErkenntnisse in evidenzgesteuerte Frühinterventionsprogramme für Eltern undihre Kinder umgesetzt. Deutlich geworden ist, dass früh ˆ möglichst schon inder Schwangerschaft ˆ einsetzende Hilfen zur Förderung der Eltern-Kind-Beziehung einen sehr wertvollen Beitrag zum Kinderschutz liefern. Empirisch fundierte Aussagen dazu, wann eine Elternschaft ausreichend gut ist, auf welch unterschiedlichen Wegen dies zu erreichen ist und was zur Nachhaltigkeit einer gelungenen Elternschaft beiträgt, werden ebenso angesprochen, wie darauf basierende Interventionsprogramme.  Paula Honkanen-Schoberth SV 02: „Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder®“ Präsentation (PDF Format)
Der Elternkurs des Dt. Kinderschutzbundes stellt die Stärken der Eltern und der Kinder in den Mittelpunkt. Es geht darum, auch auf der Grundlage der Kinderrechte mehr Freude im Zusammenleben mit Kindern zu haben. Offenheit, Klarheit, mehr Beteiligung und Humor sollen in den Erziehungsalltag gebracht werden. Nach einem Modell der anleitenden Erziehung geht es um: Klärung von Erziehungszielen und –werten, Festigung der Identität als Erziehende, Stärkung des Selbstvertrauens zur Unterstützung kindlicher Entwicklung, Bestimmung von Kommunikationsregeln in der Familie und Befähigung zur Problemerkennung und –lösung. Es gibt inzwischen Zusatzmaterialien für Kurse mit bildungsungewohnten Eltern. Gute Erfahrungen gibt es ebenfalls mit Kursen mit türkischen Eltern. Eine russische Übersetzung ist in der Vorbereitung.  Dr. Cornelia Müller-Magdeburg SV 03: „Das Kindeswohl im familiengerichtlichen Verfahren - auch im Lichte der neuen Gesetzgebung“ Präsentation (PDF Format)
Am 12. Juli 2008 ist das Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohles in Kraft getreten und widmet sich dieser Frage aus gerichtlicher Perspektive. Gleiches gilt auch für das am 1. September 2009 in Kraft tretende Gesetz zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Diese Neuerungen in ihrem Ausmaß und ihren Wirkungen sollen als Rahmenbedingungen unseres Handelns vorgestellt werden. Was daran ist aber wirklich neu? Was ist alt in neuer Gestalt? Die direkten Möglichkeiten des Gesetzgebers, Lebensbedingungen von Kinder zum Positivenzu verändern, sind begrenzt. Sie sind wirkungslos, wenn sie nicht von Haltungsänderungen begleitet werden. Verfassung und Gesetz haben Jugendämter, Lebensberatung und Familiengericht mit dem Schutz der Kinder betraut. Die verschiedenen Berufsgruppen nehmen die Aufgabe des Kinderschutzes zu gleichen Teilen, aber in verschiedenen Rollen wahr. Auch anderen Institutionen und den bei ihnen beschäftigten Professionen wie Schule, Kita, Kindergarten, Polizei und Strafgericht kommt hier eine hohe Verantwortung zu. Der Kinderschutz kann nur dann wirksam werden, wenn alle am Kinderschutz beteiligten Professionen planmäßig und effektiv zusammen wirken. Es stellt sich daher die Frage: Was kann jeder einzelne von uns Professionellen tun, um den Kinderschutz zu verbessern?
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