2008 „Gemeinsam Kindeswohl schützen“

Workshops

Gabriele F. Biehl und Lucy Paczkowski
FW101: Familienhebammenarbeit in einem Kinder – und Familienzentrum mit gemeinwesenorientiertem Ansatz
In diesem Workshop soll die 10jährige Erfahrung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Familienhebammen und Sozialpädagogen in einem gemeinwesenorientierten Projekt vorgestellt werden. Es werden konzeptionelle Entwicklungen, die praktische Umsetzung dieser Konzepte sowie der Umgang mit exemplarischen Einzelfällen erläutert. Im Anschluss daran möchten wir mit den Teilnehmerinnen des Workshops ins Gespräch über diesen Arbeitsbereich kommen.

Prof. Manfred Cierpka
FW102: „Keiner fällt durch´s Netz“
Ein drängendes Problem besteht in unserer Republik darin, jene Eltern bzw. Mütter nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen, die nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Diese Familien sind oft vielfach belastet. Gleichzeitig tun sie sich schwer Hilfe anzunehmen. In einem dreischrittigen Vorgehen des Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ wird ein Zugang zu den Familien sehr früh gefunden. Von den Teams auf den Geburtsstationen werden denjenigen Eltern Hebammen vermittelt, die sich nicht bereits aus eigener Initiative um Unterstützung durch eine Hebamme bemüht haben (Schritt 1). Ausgebildete Familienhebammen fördern dann die basalen elterlichen Kompetenzen (Schritt 2) – entweder in Elternkursen („Das Baby verstehen“) oder durch Hausbesuche mit einem erweiterten Konzept Durch die Sensibilisierung in den Elternkursen können die hilfesuchenden Eltern gebunden werden und in einem weiteren Schritt 3 an die bestehenden vom Gesetzgeber vorgehaltenen Hilfeeinrichtungen vermittelt werden. Das Projekt wird zur Zeit in Hessen und im gesamten Saarland als Modell durchgeführt.

Michaela Herchenhan
FW103: “Cleartalk als dialogischer Raum zur Einschätzung von Kindeswohlgefährdung“
Was tun, wenn bei der Einschätzung der Kindeswohlgefährdung unterschiedliche, nicht zu vereinbarende Positionen eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes verhindern? Cleartalk bietet als systemisches Setting ein Dialogfeld für die betroffenen Systeme Familie und Jugendamt. Eine Familientherapeutin moderiert die Prozesse, in die sowohl das familiäre Netzwerk eingebunden ist, als auch die professionellen Helfer, mit dem Ziel, eine gemeinsame Problemsicht zu erreichen. Wenn dies gelingt, so wird in einem nächsten Schritt versucht, eine „beste“ Lösung für das Kind gemeinsam zu finden und zu gestalten.

Karl-Heinz Münch
FW104: „Kinder raus, was dann?“
In vielen Hilfen fehlt es an Kraft, Entwicklungen dümpeln vor sich hin, die Kinder leiden. In diesem Workshop wird gezeigt welche Möglichkeiten und Interventionen zur Anregung von Veränderung bestehen und wie eine Vernetzung von aufsuchender Familientherapie, Sozialpädagogischer Familienhilfe und Gruppenkonzepte für Eltern und deren Kinder helfen, Kinder zu schützen.

Karl Pölzelbauer vertreten von Michael Romankiewitz
FW105: „Familien in Krisen – Kinder in der Not“
Das destruktive Muster im familiären Beziehungssystem als Risiko für die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. Konfrontation und Kooperation mit Eltern, die ihr kleines Kind schwer misshandeln oder vernachlässigen. Die „Mehrgenerationenmisshandlung“ und Kindesvernachlässigung bei Multiproblemfamilien, Erfahrungen in einer Kinderklinik mit der Zusammenarbeit zwischen Kinderpsychiatrie, Pädiatrie und Jugendhilfe, das „schwierige Ringen“ um Lösungen oder „wie vermeide ich, dass das geschädigte Kind nicht weiter geschädigt wird.

Ansgar Röhrbein und Joachim Stöver
FW106: „Gemeinsam sind wir stark!“ – Wie reflexive Räume die Region bereichern können
Unter dem Titel „Kindeswohl heute“ hat sich 1999 im südlichen Märkischen Kreis eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit dem Ziel gebildet, aktuelle relevante Themen zeitnah aufzugreifen und im Rahmen von Studientagen mit KollegInnen aus unterschiedlichen psychosozialen Arbeitsfeldern kritisch zu reflektieren. Die organisierten „reflexiven Räume“ haben mit der Zeit den wachsamen Blick, das „kritische Verständnis“ und die gemeinsame systemische Grundhaltung in der Region gestärkt und zu einem effektiven vernetzten Miteinander geführt, das auch über die Studientage hinaus weiterwirkt und die gemeinsame Arbeit im Sinne der Kinder und Eltern deutlich erleichtert. Darüber hinaus entwickelten sich zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen im Anschluss, die weitere Aspekte vertiefen halfen. Die TeilnehmerInnen werden prozesshaft eingeladen, Transfermöglichkeiten für die eigene Region zu prüfen.

Martina Schneider und Günther Uch
FW107: „Das „Projekt Kindesschutz“ beim Stadtjugendamt Mannheim“
Der Soziale Dienst Mannheim überprüft seit Oktober 2007 in einem Projekt die Vor– und Nachteile einer spezialisierten Fallbearbeitung von Meldungen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Interne Prozesse, Verfahrensstandards und Strukturen zur Umsetzung des Schutzauftrages sollen weiterentwickelt sowie Netzwerkarbeit und Kooperation optimiert werden. Welche Erfahrungen liegen nach dem ersten Jahr vor? Sie werden die alltägliche Arbeitsweise von „Kindesschützern“ im Jugendamt kennen lernen. Es wird ausreichend Zeit bleiben, ihre Fragen zu beantworten und in eine Diskussion zu kommen.

Prof. Dr. Jochen Schweitzer
FW108: „Zusammenarbeit – leichter gemacht“
Systemisches Handwerkszeug für lokale Bündnisse für Kinder Im Workshop werden systemische Beratungstechniken vermittelt, die die Zusammenarbeit verschiedener Initiativgruppen, Fachdienste und Behörden in einer Stadt oder in einem landkreis erleichtern. Dazu gehören die "Who is Who Skulptur", die "Klientenwanderungen durch das Versorgungsnetz", die "Was-haben-ich-Du-er,sie,es-davon?" Analyse. Einleitende Bemerkungen zum "Netzwerkmanagement" bieten kurze theoretische Orientierung. Anhand eines oder mehrerer Fallbesipiele aus dem Teilnehmerkreis werden wir mit diesen u.ä. Werkzeugen ein Konzept zur Verbesserung der lokalen Zusammenarbeit probeweise entwickeln.

Prof. Dr. Hannelore Häbel
SW201: „§ 8a SGB VIII - Chancen und Grenzen rechtlicher Gestaltung des Kinderschutzauftrages“

Sabine Heppel
SW202: “Kindesschutz in der Praxis – § 8a als hilfreiches Kooperationskonstrukt für das Jugendamt”
Der Gesetzestext des §8a beschreibt nichts wirklich Neues, sondern er differenziert die Tätigkeiten aus, die seit jeher originäre Aufgabe der Jugendämter sind. Eigentlich ist er eine Hilfe, eine Stütze. Er fokussiert das Zusammenwirken mehrere Fachkräfte, unterstützt damit Kooperation und Netzwerk-arbeit und er nimmt nicht nur die Träger der Jugendhilfe, sondern auch die Familiengerichte mehr in die Pflicht, als das bisher der Fall war. Dennoch bleibt im Einzellfall für die MitarbeiterInnen der Jugendämter immer wieder die Frage: geht’s noch- oder geht’s nicht mehr? Wie komme ich zu einer Entscheidung? Und was ist es, was der Familie hilft?
Im Workshop wollen wir uns mit diesen beiden Bereichen beschäftigen: Was brauchen wir an Rahmenbedingungen, an professionellen Kooperationspartnern, an interdisziplinären Netzwerken, um wirkungsvoll Kinderschutz leisten zu können? Worauf kommt es an bei der Gefährdungseinschätzung? Was hilft für mehr Sicherheit? Wie können Ressourcen und Risikofaktoren gegeneinander abgewogen werden

Martina Hermann-Biert
SW203: “Dialogische Risikoabwägung bei Kindeswohlgefährdung - Das Dormagener Modell“
Präsentation
Hinter dem Dormagener Modell verbirgt sich ein strategisches Präventionsprogramm für die Kommune. Der Aufbau eines Netzwerkes (NeFF Dormagen) mit den Aufgaben der Qualitätsentwicklung und Sicherung im Bereich der Frühen Förderung. Der Aufbau einer Präventionskette „Willkommen im Leben". Hauptbaustein ist das Elternbegleitbuch für Neugeborene. Alle Eltern im Stadtgebiet erhalten Besuch durch die Sozialpädagogischen Dienste des Jugendamtes. Ziel ist es, die Eltern über die Hilfsangebote und die Frühförderung im Stadtgebiet zu informieren. Das Jugendamt möchte so, gegen das Negativimage der Eingriffsbehörde arbeiten. Weitere Bausteine in der Präventionskette sind im Aufbau (Hilfen für werdende Mütter, Hilfen im Kindergarten und Unterstützung bei der Einschulung). Umsetzung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung, Abbau von Benachteiligungen durch Armut, Bildungskommune Dormagen. Der Workshop zeichnet die Entwicklung einer Leitidee (Hilfeverständnis) im Kinderschutz, sowie den Weg der Umsetzung in einer Kommune nach. Es wird auf die strukturellen, programmatischen sowie methodischen Veränderungen/Weiterentwicklungen eingegangen und die Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Er vermittelt das „Design/Architektur“ eines modernen Kinderschutzkonzeptes, das präventive Angebote für alle Familien beinhaltet, frühe Hilfen und Unterstützung für benachteiligte Familien vorstellt, die Sicherung der Grundbedürfnisse von Kindern fordert (Kinderarmut) und den aktiven Kinderschutz im Einzelfall organisiert.

Thomas Mörsberger
SW204: "Schutzauftrag zu wessen Wohl - § 8a SGB VIII in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe"
Neue gesetzliche Vorgaben sollen Kinder und Jugendliche wirksamer schützen als bisher. In der Praxis drängt sich aber mitunter der Eindruck auf, dass es bei der Umsetzung weniger um deren Wohl und um fachgerechtes und besonnenes Helfen geht als vielmehr um das Abschieben von Verantwortung. § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) wird allzu oft als „Gebrauchsanweisung“ für die Alltagspraxis missverstanden. Tatsächlich geht es bei dieser Norm um allgemeine Handlungsvorgaben, die im Lichte des Regelungsgehalts und der jeweiligen Aufgabenstellung zu beachten und in entsprechende methodische Konzepte umzusetzen sind. Im Handeln Risiken einzugehen, ist auch im Kinderschutz unvermeidbar, ebenso wie es wünschenswert ist, sie zu minimieren.

Dr. Cornelia Müller-Magdeburg
SW205: „Konzeption eines Netzwerkes zum Schutz des Kindeswohles“
In dem Workshop sollen die TeilnehmerInnen ein eigenes Konzept erarbeiten, mit dem allgemein, d.h. unabhängig von einer speziellen Region ein Netzwerk aufgebaut werden kann, das sich qualitativ von bloßen Arbeitskreisen unterscheidet und alle Aspekte des Kindeswohles erfasst. Die TeilnehmerInnen dieses Workshops sollten daher die Bereitschaft zu einer solchen aktiven konzeptionellen Arbeit mitbringen.

Dr. Rüdiger Retzlaff
SW206: „Coolness-Training für systemische TherapeutInnen“
Die Fähigkeit, in spannungsgeladenen Situation bei sich zu bleiben und gelassen zu reagieren statt sich zu verlieren und in Eskalationsschleifen zu geraten, die potenziell Gewalthandlungen begünstigen ist eine Schlüsselkompetenz für Jugendliche, Eltern und Berater. Vorgestellt werden einige basale Atem- und Körperwahrnehmungsübungen, die dazu beitragen, in Konfliktsituationen die innere Souveränität zu wahren und die emotionale Regulationsfähigkeit zu stärken. Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft zum aktiven Mitmachen.

Uwe Sandvoss
SW207: “Präventionsprogramm zur frühen Förderung, Vermeidung und Minderung von Kinderarmut - Das Dormagener Modell“
Präsentation
Hinter dem Dormagener Modell verbirgt sich ein strategisches Präventionsprogramm für die Kommune. Der Aufbau eines Netzwerkes (NeFF Dormagen) mit den Aufgaben der Qualitätsentwicklung und Sicherung im Bereich der Frühen Förderung. Der Aufbau einer Präventionskette „Willkommen im Leben". Hauptbaustein ist das Elternbegleitbuch für Neugeborene. Alle Eltern im Stadtgebiet erhalten Besuch durch die Sozialpädagogischen Dienste des Jugendamtes. Ziel ist es, die Eltern über die Hilfsangebote und die Frühförderung im Stadtgebiet zu informieren. Das Jugendamt möchte so, gegen das Negativimage der Eingriffsbehörde arbeiten. Weitere Bausteine in der Präventionskette sind im Aufbau (Hilfen für werdende Mütter, Hilfen im Kindergarten und Unterstützung bei der Einschulung). Umsetzung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung, Abbau von Benachteiligungen durch Armut, Bildungskommune Dormagen. Der Workhshop zeichnet die Entwicklung einer Leitidee (Hilfeverständnis) im Kinderschutz, sowie den Weg der Umsetzung in einer Kommune nach. Es wird auf die strukturellen, programmatischen sowie methodischen Veränderungen / Weiterentwicklungen eingegangen und die Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Er vermittelt das „Design/Architektur“ eines modernen Kinderschutzkonzeptes, das präventive Angebote für alle Familien beinhaltet, frühe Hilfen und Unterstützung für benachteiligte Familien vorstellt, die Sicherung der Grundbedürfnisse von Kindern fordert (Kinderarmut) und den aktiven Kinderschutz im Einzelfall organisiert.

Prof. Gerhard J. Suess
SW208: „Frühe Hilfen für hoch belastete Eltern - Das STEEP-Programm“
Aufbauend auf Erkenntnissen der Minnesota-Langzeitstudie, wie Eltern und ihre Kinder trotz hohen Risikos ihr Leben erfolgreich meistern, wurde das STEEP-Programm entwickelt. Es ist ein komplexes Programm, das neben der Eltern-Kind-Interaktion und Einflüssen aus der erinnerten Kindheit der Eltern insbesondere auch soziale Unterstützung, förderliches Wissen sowie die Beziehung zu den BeraterInnen betont. In Einzelterminen mit Fokus auf Videointervention und in Gruppenterminen werden Eltern von der Schwangerschaft bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres ihres Kindes begleitet, damit Eltern ihr Kind verstehen lernen und Freude daran haben. 1987 wurde das STEEP-Programm in einer aufwändigen Evaluationsstudie auf seine Wirksamkeit hin überprüft und wird seit 2004 an unterschiedlichen Standorten in Deutschland implementiert und weiter beforscht. Erfahrungen aus diesem Prozess der Verbreitung eines erfolgreichen Programm innerhalb der deutschen Jugendhilfe bilden die inhaltliche Grundlage des Workshop. “

 

 


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