2007 „Gesundheitscoaching“

Vorträge

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther
VM03: Mein Körper – das bin doch ich.... Die neurobiologische Verankerung von Erfahrungen und ihre Bedeutung für die Gesundheit
Vortrag (PDF Format)
Alle Erfahrungen, die wir im Lauf unseres Lebens machen, hinterlassen Spuren – nicht nur im Gehirn, sondern auch im Körper. Bei diesen Spuren handelt es sich um erfahrungs- und nutzungsabhängig herausgebildete, strukturell verankerte innere Beziehungsmuster. Diese Musterbildung ist eine parallel ablaufende und aneinander gekoppelte Anpassungsleistung auf zentralnervöser und körperlicher Ebene. Die auf diese Weise strukturell verankerten Erfahrungen bilden die Grundlage für alle nachfolgenden Bewertungs- und Bewältigungsprozesse. Sie sind entscheidend dafür, wie und wofür eine Person ihr Gehirn und ihren Körper weiterhin benutzt – und damit auch weiter strukturiert.
Die während unserer frühen Entwicklung gemachten Körpererfahrungen bilden das Fundament für nachfolgende Reifungsprozesse, für die Herausbildung von Selbstbildern und Selbstwirksamkeits-konzepten. Allzuleicht geraten sie in Widerspruch zu den später aus der Beziehung zu anderen Menschen gemachten Erfahrungen. Es kommt dann zu einer zunehmenden Entfremdung vom eigenen Körper und den daran gekoppelten eigenen Bedürfnissen und Bewertungen. Derartige Fehlentwicklungen sind u.U. nur durch die Wiederentdeckung des eigenen Körpers überwindbar.

Dr. med. Matthias Lauterbach
VM01: Gesundheitscoaching: Individuelle Gesundheit in gesunden Organisationen
Vortrag (PDF Format)
Gesundheit ist längst zu einem Schlüsselbegriff am Beginn unseres Jahrtausends geworden. Die Umsetzung einer tragfähigen, ganzheitlich verstandenen Gesundheitsorientierung in das Leben des einzelnen Menschen und in das Leben von Organisationen, sowie die Gestaltung der Wechselwirkungen sind eine der zentralen Herausforderungen geworden. Grundlagen, Strukturen und Methoden für eine nachhaltig erfolgreiche Gestaltung von Gesundheit sind entwickelt und erprobt worden, die konkrete Umsetzung steht allerdings noch am Anfang. Dafür ist ein einschneidender Wandel der Perspektive erforderlich: Gesundheit kann nicht länger verstanden werden als Zustand oder Besitz, sondern als ein andauernder Gestaltungs- und Veränderungsprozess. Zudem ist eine hohe Verbindlichkeit bei der Umsetzung gefragt.
Die Ansätze für eine Orientierung an Gesundheit und Lebensqualität werden in dem Konzept des Gesundheitscoachings gebündelt und für den Alltag aufbereitet.

Dr. Natalie Lotzmann
VD02: Diversity, Life-Balance und Gesundheit
Vortrag (PDF Format)
Der Begriff „Diversity“ bedeutet sowohl Vielfalt, als auch Verschiedenheit. Er beschäftigt sich mit den vielfältigen Dimensionen menschlicher Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Nach Gardenswartz und Rowe stellen Geschlecht, Alter, ethnischer und kultureller Hintergrund, sexuelle Orientierung und Behinderung die inneren, unveränderbaren Dimensionen von Diversity dar. Zu den äußeren, veränderbaren Dimensionen zählen z.B. Sozialkontakte, Elternschaft und Familienstruktur, aber auch Bildung, Hobbies, Sprache und Gesundheit. Der Vortrag beleuchtet diese Zusammenhänge unter Berücksichtigung der dritten, organisationalen Dimensionen, wie Karriere, Firmenzugehörigkeit, Managementstatus oder Identifikation mit der Arbeit unter Bezugnahme auf konkrete Beispiele im innerbetrieblichen Beratungsalltag.

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz
VD04: Lebenslust – über Risiken und Nebenwirkungen von Gesundheit
Ist ein lustvoll-satirischer Großangriff auf den weltumspannenden Gesundheits-, Fitness- und Schönheitskult. Fest steht: Nichts ist so krank wie unser Gesundheitssystem. Die Gesundheit geht uns über alles; sie ist zu einem unbeherrschbaren Moloch geworden, der den Staatshaushalt auffrisst und vor dem die Politiker in die Knie gehen. Ebenso scharfsinnig wie unterhaltend entlarvt der Arzt und Theologe Manfred Lütz „Gesundheit“ als eine fundamentalistische, durchgeknallte Religion mit geradezu Menschen verachtenden Folgen: Unsere Vorfahren bauten Kathedralen, wir bauen Kliniken, in denen weißkittelige Hohepriester walten. Unsere Vorfahren machten Kniebeugen, wir machen Rumpfbeugen. Unsere Vorfahren retteten ihre Seele, wir unsere Figur. Alle Bodypropheten und Gesundheitsapostel haben den Spaß im Mund, die Verheißung unendlichen Vergnügens, den endgültigen Fun. Keine Frage, wir haben eine neue Religion: die Gesundheitsreligion.
Was diese Religion betrifft, ist Lütz Atheist. Er hält die Gesundheitsreligion erstens für albern, zweitens für anstrengend, drittens für ruinös teuer und viertens für lebensgefährlich und überhaupt für eine abscheuliche Sekte.

Dr. Franz Netta
VF02: Partizipation, Gesundheit und wirtschaftlicher Erfolg - Neue Analysen und Erkenntnisse zum Gesundheitsmanagement
Vortrag (PDF Format)
Neben innovativen Varianten üblicher betrieblicher Gesundheitspolitik zeigt der Vortrag auf, wie im Bertelsmann Konzern mit seinen 90.000 Mitarbeitern in mehr als 400 international tätigen Firmen über neue weltweit führende Daten-Analyseverfahren sowohl eindeutige Zusammenhänge zwischen der Führungskultur und der Gesundheit der Mitarbeiter als auch zwischen dieser Kultur und der wirtschaftlichen Performance der Firma belegt werden konnten. Dargestellt wird ebenso, welche Einzelaspekte der Führungskultur die neue Analysetechnik von Mitarbeiterbefragungen als besondere Treiber wirtschaftlicher Ergebnisse identifiziert hat und wie diese durch Organisationsmaßnahmen wirksam gefördert und zu starken Wettbewerbsvorteilen des Unternehmens ausgebaut werden können. Aus langjähriger Praxis schildert der Referent, wie Führungskräfte von der Notwendigkeit neuer und verstärkter betrieblicher Gesundheitsarbeit überzeugt werden und wie methodisch anspruchsvolle und komplexe Zielsetzungen und Lösungen sich einfach und praxistauglich für die Anwender gestalten lassen.

Prof. Dr. rer. pol. Rolf Rosenbrock
VF01: Gegenwärtige und künftige Herausforderungen für eine gesunde Arbeitswelt
Vortrag (PDF Format)
Es besteht international ein breiter Konsens über die großen Potenziale, aber auch über die großen Defizite im Bereich betrieblicher Gesundheitspolitik. Die Herausforderungen verschärfen sich mit der Verschiebung der Belastungen in Richtung auf psychosozial vermittelte Gesundheitsrisiken und mit dem demographischen Wandel. Ziel ist die gesundheitsförderliche Arbeitssituation mit ihren Komponenten Arbeitsmittel/Arbeitsumgebung, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Sozialbeziehungen, individuelle Förderung und unterstützendes Umfeld. Das Mittel der Wahl ist die partizipative Organisationsentwicklung. Deren Ingangsetzung, Umsetzung und Verallgemeinerung erfordert ein Umdenken bei allen betrieblichen und überbetrieblichen Akteuren, insbesondere auch des Arbeitsschutzes und der Sozialversicherungen.

Prof. Manfred Schedlowski
VM02: Steigerung der Stressresistenz bei Führungskräften: Effektive Nutzung der eigenen körperlichen und psychischen Ressourcen“
Vortrag (PDF Format)
Die Frage nach der wechselseitigen Beeinflussung von Leib und Seele beschäftigt die Menschen seit schriftliche Belege über Krankheit und Gesundheit bekannt sind. Schon Juvenus empfahl dem Menschen, er möge für eine gesunde Seele und einen gesunden Körper beten.
Aktuelle epidemiologische Befunde dokumentieren heute eindruckvoll einen dramatischen Anstieg stressbedingter Erkrankungen. Diese Beobachtungen werden gerade in den letzten Jahren durch kontrollierte, experimentelle Untersuchungen unterstützt, die zeigen, daß Stress nicht nur psychische Störungen wie depressive Reaktionen verursachen kann, sondern nahezu alle Körperprozesse und Organsysteme negativ beeinflussen und beispielsweise die Infektanfälligkeit erhöhen kann.
Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie dokumentieren, dass unser „stresswahrnehmendes“ Organ, unser Gehirn, das Hormonsystem und das Immunsystem, das uns als körpereigenes Abwehrsystem vor allen erdenklichen Krankheitserregern schützt, in enger wechselseitiger Kommunikation mit einander stehen und untereinander ständig Informationen austauschen. Dieses Wissen um diesen intensiven Informationsaustausch zwischen den Systemen läßt sich insbesondere auch für die Entwicklung von gezielten Verhaltensinterventionsprogrammen nutzen, die als präventive, gesundheitsfördernde Maßnahmen zum Schutz gegen die negativen Auswirkungen von Stress eingesetzt werden können.

Dr. med., Dipl. rer. pol. Gunther Schmidt
VD03: Der Organismus als Vertragspartner und Supervisor – Hypnosystemisches Gesundheitscoaching für erfüllende Lebensbalance
Vortrag (PDF Format)
Ob wir wollen oder nicht, wir hypnotisieren uns selbst und wechselseitig in Beziehungen (oft gegen unser bewusstes Handeln) in bestimmte „Alltags-Trancen“. Gerade sehr verantwortungsbewusste, an Loyalitäten orientierte Menschen erleben oft intensive Zwickmühlen zwischen diversen „Erwartungsfeldern“ (z.B. Arbeit, Familie/ Freundschaften, körperliche Gesundheit, Sinn- Gestaltung etc.). Sie entscheiden sich dann oft (unbewusst) gegen die Bedürfnisse ihres Organismus mit dem Ergebnis von burn- out oder anderen Symptomen und destruktiven Folgen für ihre Beziehungen.
Im Vortrag wird vermittelt, wie sowohl Problemreaktionen als auch Signale des Wohlbefindens als Ausdruck der intuitiven Feedback- Kompetenz des Organismus gewertet und genutzt werden können. Es wird gezeigt, wie man diese intuitive Weisheit des Organismus zieldienlich und kontextflexibel für eine erfolgreiche berufliche und private Lebens- und Beziehungsgestaltung nutzen kann.

Prof. Dr. Karlheinz Sonntag
VF03: Ressourcenorientiertes Gesundheitsmanagement in Veränderungsprozessen
Vortrag (PDF Format)
Veränderungen für Führungskräfte und Mitarbeiter beanspruchungsoptimal zu gestalten stellt zweifellos eine der größten Herausforderungen an das Human Resources Management eines Unternehmens dar. Die hier vorgestellten Projektergebnisse zweier Studien in der Automobilindustrie zeigen deutlich Schwachstellen und Hemnisse von Veränderungsprozessen auf. Lösungswege und Tools einer erfolgreichen Bewältigung werden vorgestellt. Empfohlen wird der Ansatz eines ressourcenorietierten Change Managements, bei dem eine proaktive und präventive Förderung personaler, sozialer und organisationaler Ressourcen im Zentrum steht. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen gesundheitsbeeinträchtigender und demotivierender Faktoren bei Veränderungsprozessen.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Rolf Verres
VD01: Was uns gesund macht – vom Handlungsdruck zur inneren Ruhe
Patienten haben oft den Eindruck, dass man sie im Medizinbetrieb als Mensch nicht ernst nimmt. Energie und gesundmachende Lebenskraft werden dadurch blockiert. Grundlage meines Konzeptes ist das Phänomen der Resonanz mit verschiedensten dazu gehörigen Metaphern. So kann beispielsweise der vielgeschmähte Leib-Seele-Dualismus gut utilisiert werden, indem man Resonanzen zwischen Leib und Seele (er-)findet. Zur Resonanz zwischen Mensch und Mensch gehört wesentlich die Möglichkeit, die eigene Resonanzbereitschaft situativ zu regulieren. Auch „Ingenieur-Ärzte“, die sich den Körpern von Menschen widmen, als seien diese gänzlich unbeseelt, können durch geschickte Arrangements von Resonanz dazu verführt werden, dem Patienten zumindest mal in die Augen zu schauen. Am Beispiel der Entwicklung der Geburtshilfe der letzten 20 Jahre lässt sich darstellen, wie stark sich Realitäten durch Veränderungen der umgebenden Resonanzfelder fundamental umgestalten lassen. Dem hohen Handlungsdruck in vielen Feldern der Medizin liegt ein zu einseitiges Verständnis von Hoffnung zugrunde. Im letzten Teil meines Beitrags möchte ich zeigen, wie sich verschiedene Metaphern zum Thema Hoffnung auswirken können:
Je nach Kontext können sie Aktionismus anheizen oder innere Ruhe fördern.

 

 


[ Anfang der Seite ]