Systemisch-integrative Paartherapie 2025/2026

An wen richtet sich die Weiterbildung?

Die Weiterbildung richtet sich vorrangig an Personen, die in psychosozialen, psychiatrischen und beratenden Einrichtungen mit Paaren oder an paartherapeutischen Themen arbeiten bzw. ihr Wissen diesbezüglich vertiefen wollen, z. B. ÄrztInnen, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, SozialarbeiterInnen, SozialwissenschaftlerInnen.

Weiterbildungskontexte

Wie zentral die Bedeutung gelingender Partnerschaften heutzutage ist, lässt sich mit Blick auf aktuelle Umfragen zur Lebenszufriedenheit (Ifo-Institut 2017, Bundeszentrale für politische Bildung 2021) ersehen: Liebe, gelungene Paarbeziehung und familiäres Glück stehen in Deutschland regelmäßig an erster Stelle. Die Paarbeziehung wurde – nicht zuletzt durch den Wegfall klassischer Sozialisationsinstanzen – zu einem Sehnsuchtsort, von dem sich Partner:innen Geborgenheit und Erfüllung erhoffen. Die Erhöhung von Paarbeziehungen zu einem solchen Sehnsuchtsort macht es nicht gerade einfacher, sie tatsächlich zu leben, insbesondere über längere Zeit. Der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens und Liebens in verschiedenen Beziehungskonstellationen ist oft knifflig. Eine Langzeitbeziehung muss sich in sich verändernden Kontexten immer wieder entwickeln, um zu überleben. 

Systemische Paartherapie ist eine eigenständige Therapieform, ein eigenes Handwerk und keine einfache Settingsvariante systemischer Therapie. Diese Kunst grundständig zu lernen, macht paartherapeutische Professionalität aus.  

Das Systemische Denken bildet eine optimale Basis zur Integration nützlicher Ideen anderer paartherapeutischer Ansätze.  In seiner Flexibilität wird es den sich verändernden gesellschaftlichen Beziehungsumwelten, sowie der Pluralität und Wandelbarkeit von Paarbeziehungen im besonderen Maße gerecht.

Weiterbildungsstruktur

Die Weiterbildung erfolgt über einen Zeitraum von ca. 24 Monaten berufsbegleitend in dreitägigen Präsenzveranstaltungen in Heidelberg. Alle Veranstaltungen zusammen beinhalten insgesamt 200 Unterrichtseinheiten. Ergänzendes Literaturstudium in Eigenregie wird vorausgesetzt.

Jedes Modul beinhaltet bezogen auf den jeweiligen Themenschwerpunkt 

  • Selbsterfahrung (mit Blick auf eigene Themen und/oder die Rolle als TherapeutIn) 
  • Theoretischen (ggf. empirischen) Input
  • Praktische Demonstrationen und Beispiele (live und/oder Filmmaterial)
  • Praktische Rollenspiele und Übungen
  • Reflexion und Verknüpfung mit bisherigen Lerninhalten

Die Weiterbildung wird auch bei ungewisser Pandemie-Perspektive sicher und im Format flexibel stattfinden, d.h. ggf. online.

Weiterbildungsinhalte

Wir beide als PaartherapeutInnen (Angelika Eck und Stephan Trossen) wurden ganz unterschiedlich ausgebildet und sind doch zu einem sehr ähnlichen Verständnis von Paartherapie gekommen. Schon früh war uns beiden wichtig, auch außerhalb der systemisch geprägten Paartherapie nach spannenden und nützlichen Ansätzen Ausschau zu halten. So integrierten wir körper- und erlebnisorientierte genauso wie psychodynamische Ansätze in unsere Arbeit. Auch teilten wir ein besonderes Interesse an der Spannung zwischen dem Ansatz von David Schnarch und dem von Sue Johnson und der Frage, wie wir diese Energie für unsere Arbeit nutzbar machen könnten. Je eingehender wir uns mit den unterschiedlichen Ansätzen befassten, desto deutlicher wurde für uns, dass es kein methodenreines Entweder-Oder braucht, sondern vielmehr ein Repertoire unterschiedlicher Methoden, Blickwinkel und Erklärungsansätze – weil erst dieses ermöglicht, individuell mit den Klienten arbeiten zu können. Die systemische Theorie dient uns als Fundament, das wiederum Haltung und Steuerung in diesem nicht immer einfach zu überblickenden Feld der Paartherapie ermöglicht. Sie ist der rote Faden, an welchem wir viele unterschiedliche bunte Perlen aufgeflochten haben. 

In diesem Sinne haben wir auch dieses Curriculum aufgebaut, insofern wir der Individualität des Einzelnen, der Paare und auch der Unterschiedlichkeiten der therapeutischen Persönlichkeiten Rechnung tragen wollten. 

  • Grundlagen der systemischen Paartherapie
    • Zahlen, Daten und Fakten für Paartherapeuten 
    • Konstruktivismus und systemische Haltung 
    • Auftragsklärung in der Paartherapie 
    • Gestaltung des Settings/Triangulation 
    • Hypothesenbildung und Musterunterbrechung 
    • Umgang mit Grenzen und Stagnation  
    • Navigieren innerhalb des Prozesses 
    • Unterschiedliche paartherapeutische Konzepte (Differenzierungsorientierte Paartherapie, Emotionsfokussierte Paartherapie, psychodynamisch orientierte Modelle)
    • Paartherapie mit unterschiedlichen Paarsystemen und Paarkontexten (kulturspezifische Prämissen, nichtmonogame Beziehungsformen, sexuelle Orientierung etc.)
  • Therapeutische Persönlichkeit und Stil
    • Kennenlernen der eigenen therapeutischen Persönlichkeit im Kontext der Paartherapie
    • Haltung und Entwicklungsthemen 
    • Reflexion eigener Partnerschaftserfahrungen und deren Bedeutung für die eigene Arbeit  
    • Fähigkeit der Kontaktgestaltung mit dem Paar
    • Selbstregulation im Therapieprozess
  • Therapeutische Fertigkeiten 
    • Erstgespräche führen – Aufbau der therapeutischen Beziehung und Auftragskonstruktion
    • Herausarbeiten von zirkulären (Problem-)Mustern und deren Unterbrechung 
    • Arbeit mit den Herkunftsfamilien: Genogrammarbeit & mehr
    • Umgang mit Stress, belastenden Lebensereignissen, Übergängen und existenziellen Krisen
    • Arbeit mit Paardynamik und Konfliktmustern
    • Einbindung von körper- und erlebnisorientierten Ansätzen in den Prozess 
    • Sexualität im therapeutischen Gespräch (Sprache, Haltung, Grenzen)
    • sexuelle Lust und Lustkonflikte bearbeiten
    • Umgang mit Untreue, Außenbeziehungen und Geheimnissen in der Paartherapie
    • Bindung und bindungsorientierte Ansätze 
    • Umgang mit Affekten (Einbinden, Vertiefen)  
    • Umgang mit Grenzverletzungen und Gewalt 
    • Begleitung von Trennungsprozessen
    • Konsensuelle Nichtmonogamie, offene Beziehung und Polyamorie als Thema der (Paar-)Therapie
    • Umgang mit Schuld, Scham und Verletzungen 
    • Arbeit mit Bilanz- und Versöhnungsritualen 
    • Therapieabschlüsse gestalten
    • Fallkonzeption

Aufnahmevoraussetzungen

  • Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Bereich der Humanwissenschaften oder eine vergleichbare Qualifikation (Ausnahmen sind in begründeten Fällen möglich, z. B. bei qualifiziertem Berufsabschluss im psychosozialen Bereich und mind. 3-jähriger Praxiserfahrung).
  • Weiterbildungsnachweis über beraterisch-therapeutische Grundqualifikation.
  • Möglichkeit zur praktischen Umsetzung der Weiterbildungsinhalte mit Paaren, hierfür haben die Teilnehmenden selbst Sorge zu tragen. 

Bewerbungen

Es werden folgende Bewerbungsunterlagen benötigt:

  • Bewerbungsbogen mit Passfoto (hier als pdf herunterladen)
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Nachweis einer mind. 3-jährigen Berufstätigkeit 
  • Nachweis der absolvierten grundständigen Weiterbildung

Die Platzvergabe erfolgt ab Herbst 2024. Spätere Bewerbungen sind auch nach diesem Termin möglich.

Rücktritt von der Weiterbildung

Ein Rücktritt ist bis spätestens 6 Wochen vor Beginn der jährlichen Weiterbildung gegen eine Organisationsgebühr von Euro 80,– möglich. Bei späterem Rücktritt wird die gesamte Teilnahmegebühr für das Kursjahr fällig.

Abschluss und Zertifizierung

Die Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat des Helm Stierlin Instituts, sofern sie alle Elemente der Weiterbildung besucht haben. In deren Rahmen haben sie Videoaufnahmen eines Therapiegesprächs zur Supervision im Kurs einzubringen.

Kurstermine systemisch-integrative Paartherapie

KursleiterIn: Angelika Eck und Stephan Trossen – die Kursleitung erfolgt weitgehend im Tandem. Dies ermöglicht die Begleitung individueller Lernprozesse. 

Block 1 (Donnerstag bis Samstag) 06.–08.02.2025 1. Tag 10:00 h
Block 2 (Montag bis Mittwoch) 26.–28.05.2025 1. Tag 10:00 h
Block 3 (Mittwoch bis Freitag) 23.–25.07.2025 1. Tag 10:00 h
Block 4 (Donnerstag bis Samstag) 18.–20.09.2025 1. Tag 10:00 h
Block 5 (Montag bis Mittwoch) 08.–10.12.2025 1. Tag 10:00 h
Block 6 (Mittwoch bis Freitag) 18.–20.02.2026 1. Tag 10:00 h
Block 7 (Mittwoch bis Freitag) 15.–17.04.2026 1. Tag 10:00 h
Block 8 (Donnerstag bis Samstag) 11.–13.06.2026 1. Tag 10:00 h
Block 9 (Montag bis Mittwoch) 21.–23.09.2026 1. Tag 10:00 h

Veranstaltungsorte:
Helm Stierlin Institut, *extern

Teilnahmegebühr:
Euro 3.600,– für 9 Blöcke (entspricht 400,- € pro Block) + einmalige Organisationsgebühr Euro 80,-